99. Jahrgang Heft 4 (August) 2016

Inhalt

Artikel

»Ist ja nur Cannabis?«
Expertinnen und Experten über den Cannabishandel inner- und außerhalb von Gefängnissen

von Nicole Bögelein, Jana Meier und Frank Neubacher

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag untersucht das Kontextwissen von Expertinnen und Experten über Cannabismärkte in Haft und in Freiheit. Es handelt sich um eine inhaltsanalytische Auswertung von Interviews mit Justiz- und Polizeiexperten (n = 21). Im Ergebnis zeigen sich Gemeinsamkeiten zwischen dem Drogenhandel in Freiheit und in Haft. So nehmen die Expertinnen an, dass es sowohl einen kleineren, selbst organisierten Markt gibt, als auch einen Marktanteil mit hierarchischen Strukturen. Cannabiskonsum lässt sich in Freiheit unproblematisch organisieren, in Haft benötigen die Konsumenten Unterstützung von außerhalb.

Schlüsselwörter: Drogenmarkt, Cannabis, Gefängnis, Experteninterviews

S. 251-268

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Die Perspektive Übergangsmanagement im Straffälligenbereich
Ausstiegsforschung, Soziale Arbeit und Restorative Justice

von Eduard Matt

Zusammenfassung
Mit den Überlegungen zum Übergangsmanagement ist die Diskussion um Resozialisierung wieder deutlich in Fahrt gekommen. Gleichwohl bedarf es weiterer Spezifizierungen und Ausarbeitungen des Konzeptes. Dieses sollte nicht nur die operative und organisationale Dimension umfassen, sondern ebenso die »moralische«: Fragen des Ausstiegs aus Straffälligkeit, des Stigma-Managements sowie der Rolle der Wiedergutmachung im Prozess sind stärker einzubeziehen. Ein Begründungsmodell muss ebenso die Frage nach der Verursachung von Veränderung diskutieren: Welche Rolle kommt dem individuellen Handeln zu, welche spielt die soziale Einbettung? Der Aufsatz versucht, durch den Bezug auf die Soziale Arbeit sowie auf den »restorative justice«-Ansatz zu dieser Diskussion beizutragen. Eine Konzeption gilt es zu entwickeln, die eine umfassende Perspektive der Integration einnimmt, ebenso wie sie diese als eine gemeinschaftliche Aufgabe fasst.

Schlüsselwörter: Übergangsmanagement, desistance, Soziale Arbeit, Organisations- und Personalentwicklung, restorative justice, Zivilgesellschaft

S. 269-284

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Radikalisierungsverläufe im Zuge hochexpressiver Gewalttaten
Entwicklung und Testung eines standardisierten Instruments zur Aktenanalyse

von Lina-Mareike Stetten, Nils Böckler, Viktoria Roth und Andreas Zick

Zusammenfassung
Der Artikel dient der Vorstellung des am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewalt­forschung entwickelten Instruments zur quantitativen Erfassung von Radikalisierungsverläufen ideologisch motivierter Gewalttäter. Hierbei steht neben der Reliabilitätsprüfung auch der inhaltliche Aufbau des Instruments im Vordergrund. Die Erhebung von Radikalisierungsverläufen zum Zwecke der wissenschaftlichen Analyse kann dabei einen erheblichen Mehrgewinn in der Entwicklung und Evaluation von Präventions- und Inter­ventionsstrategien leisten.

Schlüsselwörter: Radikalisierung, Extremismus, schwere Gewalt, quantitative Methoden, standardisiertes Erhebungsinstrument

S. 285-303

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FORUM

Münchhausen und die Kontrolltheorien

von Ingo Diedrich

Zusammenfassung
In einer der bekanntesten Geschichten des Barons von Münchhausen zieht dieser sich am eigenen Zopf aus dem Morast. Hier wird ein Modell angeboten, dessen Struktur von zahlreichen modernen Theorien übernommen wird. Dies gilt auch für die Kontrolltheorien nach Hirschi und Gottfredson. Als Texte der Moderne haben sie strukturell große Ähnlichkeiten. Und doch weist der eine in den Aufbruch und der andere in die Stagnation.

Schlüsselwörter: Hirschi, Kontrolltheorie, kriminologische Theorie, Münchhausen, Aufklärung

S. 304-312

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System crimes and system criminology: A new focus?

von Klaus Sessar

[in englischer Sprache]

Zusammenfassung
Es wird vorgeschlagen, die allgemeine Systemtheorie in den Bestand kriminologischer Theorien aufzunehmen, besonders zum Zwecke einer durchdringenden Beobachtung und Analyse von Verbrechen, die von Funktionssystemen wie Ökonomie, Wissenschaft, Erziehung, Recht oder Politik ausgehen, samt ihrer organisatorischen Kontexte wie Unternehmen, medizinische oder psychologische Einrichtungen, Internate, Gefängnisse – oder des Staates. Sie sollen »Systemverbrechen« genannt werden. Was Staatsverbrechen angeht, so sollte die Kriminologie den Bereich der Gräueltaten, insbesondere den Genozid einbeziehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt totalitären Staaten, die Massenverbrechen als Elemente ihrer selbstreferentiellen geschlossenen Operationen zur Verfolgung ihrer Ziele einsetzen.  Die Untersuchung solcher Regime wird unser Bild von den Tätern, die den Tod von Millionen Menschen verursachen, revidieren, handelt es sich doch bei den meisten von ihnen um ganz normale Menschen vor und nach ihrem todesbringenden Werk und ausgestattet mit vermutlich genügender Selbstkontrolle während ihres todesbringenden Werkes.

Schlüsselwörter: Genozid, Systemtheorie, Kontexte und Situationen, Tätereigenschaften

S. 313-318

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Mitteilungen

Arbeit als Strafe – Arbeit statt Strafe? Zur Ausgestaltung von Arbeit als jugendstrafrechtlicher Reaktion
Tagung, 3.–5. Februar 2017, Evangelische Akademie Bad Boll

44th Annual Conference of the Western Society of Criminology
9–11 February, 2017 in Las Vegas, Nevada

Jugendextremismen und soziale Räume
Symposium,16. Februar 2017 in Osnabrück

Strafverfolgung – Individuum – Öffentlichkeit. Im Spannungsfeld der Wahrnehmungen
Konferenz der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Kriminologie (SAK), 8.–10. März 2017 in Interlaken, Schweiz

Annual Conference of the American Psychology-Law Society
16–18 March, 2017 in Seattle, Washington

S. 319

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Buchbesprechungen

Haverkamp, Rita/Arnold, Harald (Hrsg.)

Subjektive und objektivierte Bedingungen von (Un-)Sicherheiten
Studien zum Barometer Sicherheit in Deutschland (BaSiD)
Duncker & Humblot, Berlin 2015, VIII, 384 Seiten

von Britta Bannenberg, Gießen

S. 320-321

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Matthews, Roger

Realist Criminology
Palgrave MacMillan, 2014, XII, 179 Seiten

von Stephan Quensel, Grönwohld

S. 322-323

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Herausgeber

Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg

Prof. Dr. iur. Stephan Quensel, Bremen

Schriftleitung:
Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Redaktion

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Dipl.-Psych. Ulrike Auerbach

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
Günterstalstr. 73
79100 Freiburg i.Br.

Telefon: +49 (0) 761-7081-0

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