99. Jahrgang Heft 1 (Februar) 2016

Inhalt

Nachruf für Hans Joachim Schneider

von Ferdinand Kirchhoff

S. 1

Artikel

Corporate Crime, Kriminalitätstheorie und Organisationssoziologie

von Jens Bergmann

Zusammenfassung
Kriminologische Studien zum Thema Corporate Crime liefern nur wenige, zudem widersprüchliche empirische Befunde und sie bauen zur Erklärung auf Theoreme, die überwiegend aus dem Deliktbereich von Street Crime stammen. Obwohl der Untersuchungsgegenstand definitionsgemäß auf Organisationen als besondere Formen sozialer Ordnung verweist, werden Erkenntnisse aus der sozialwissenschaftlichen Organisationsforschung nur wenig berücksichtigt. Dies erschwert die Bildung eines ertragreichen Forschungsfeldes. Der Beitrag fasst den Forschungsstand zum Thema zusammen, er schildert Erklärungsdefizite gängiger Theoretisierungen und er schlägt vor, organisationssoziologisch fundierte Erkenntnisse für das Forschungsfeld des Corporate Crime zu nutzen.

Schlüsselwörter: Corporate Crime, Kriminologische Theorie, Organisation, Organisationssoziologie, White-Collar Crime

S. 3-22

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Compliance und Unternehmenskultur
Eine empirische Untersuchung zur Wirksamkeit von Anti-Korruptionsprogrammen

von Kai-D. Bussmann, Anja Niemeczek und Marcel Vockrodt

 

Zusammenfassung
Im Rahmen einer webbasierten Befragung von insgesamt 4.302 Managern in 15 deutschen Großunternehmen wurden die zentralen Einflussfaktoren auf eine effektive unternehmensinterne Korruptionsprävention untersucht. Aus dieser Gesamtstichprobe werden die Untersuchungsergebnisse einer Teilstichprobe deutscher Manager (n = 1.988) berichtet. Kriminalprävention kann dieser Untersuchung zufolge auf drei Ebenen erreicht werden: zum einen durch eine hohe Bereitschaft zur informellen Sozialkontrolle, eine positive Hinweisgeberkultur und eine Reduktion des unternehmensinternen Korruptionsrisikos. Mit Hilfe eines Strukturgleichungsmodells zeigt sich, dass neben dem »Tone from the Top« und »Ethical Leadership« der Vorgesetzten auch Schulungen ein entschei­dendes Instrument zur Kriminalprävention sind. Alle Faktoren leisten einen signifikanten Beitrag zur Entwicklung einer integritätsförderlichen Unternehmenskultur. Gleichwohl erwies sich die Unternehmenskultur als bedeutendster Faktor, da sie auf direkten und indirekten Wegen alle anderen Faktoren beeinflusst. Jede unternehmensinterne Korruptionsprävention ist eingebettet in eine individuelle Unternehmenskultur, die sich als förderlich oder hinderlich erweisen kann.

Schlüsselwörter: Korruptionsprävention, Unternehmenskultur, Schulungen, informelle Sozialkontrolle, Hinweisgeberkultur

S. 23-41

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Die Belehrung über das Schweigerecht
Ein leeres Versprechen?

von Nadja Capus, Mirjam Stoll und David Studer

Zusammenfassung
Das Recht, die Aussage zu verweigern, gilt als zentrales Recht der beschuldigten Person im Strafprozess. Mit der Belehrung über dieses Recht geht das Versprechen einher, dass beschuldigte Personen in den Vernehmungen schweigen dürfen, und mit der Protokollierung der Vernehmung, dass dieser Belehrungsvorgang kontrolliert werden kann. Der vorliegende Artikel untersucht mittels einer standardisierten Inhaltsanalyse Protokolle von Beschuldigtenvernehmungen daraufhin, ob diese Versprechen gehalten werden. Die empirische Analyse zeigt, dass eine hohe Belehrungsquote mit einer geringen Schweigerate einhergeht. Es wird geprüft, inwiefern die Art und Weise der Belehrung sowie der Protokollierung der Belehrung einen Einfluss auf die niedrige Schweigerate haben könnte.

Schlüsselwörter: Aussageverweigerung, Schweigerecht, Rechtsbelehrung, rechtliches Gehör, Strafverfahren, Aktenforschung, Vernehmungsprotokolle, Inhaltsanalyse

S. 42-57

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Rückfälle nach sexuellem Kindesmissbrauch und Kinderpornografiedelikten in Deutschland

von Petya Schuhmann, Janina Neutze und Michael Osterheider

Zusammenfassung
In der Studie wurden die Rückfälle von Kinderpornografienutzern und Kindesmissbrauchern (N = 5.318) anhand der Analyse von Bundeszentralregisterauszügen im Zeitrahmen von fünf Jahren nach Paragraphen systematisch untersucht. In allen untersuchten Gruppen wurden niedrige Rückfallquoten bei Sexualdelikten an Kindern festgestellt. Kindesmissbraucher mit Indexdelikt nach § 176 StGB wiesen höhere Rückfallquoten bezüglich Kindesmissbrauchsdelikten nach § 176 StGB auf als alle anderen untersuchten Tätergruppen. Die mittlere Rückfallzeit bei sexuellen Rückfällen betrug 2,75 Jahre. Höhere Rückfallquoten bei nichtsexuellen Delikten als bei sexuellen Delikten wurden festgestellt, aber ohne signifikante Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen.    

Schlüsselwörter: Kinderpornografie, sexueller Kindesmissbrauch, Rückfall

S. 58-67

 

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Forum

 

Evaluation der Gruppenklima-Forschung in Deutschland (am Beispiel NRW) und den Niederlanden auf der Grundlage eines Vergleichs der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten in den jeweiligen Jugendstrafvollzugssystemen

von Evelyn Heynen, Eleni Behrens und Peer van der Helm

Zusammenfassung
Die Forschung zum Thema Gruppenklima im Wohngruppenvollzug in Jugendstrafvollzugsanstalten bekommt in den Niederlanden und Deutschland, aber auch zum Beispiel in England, Belgien und Estland eine immer größere Bedeutung. In der aktuellen Forschung zeigen sich Unterschiede zwischen den in den Niederlanden erhobenen Daten und den deutschen Ergebnissen am Beispiel zweier Anstalten in NRW. Um positive Schlüsse für den Umgang mit jugendlichen Straftätern ziehen zu können, ist es von großer Bedeutung herauszufinden, ob und inwiefern sich diese gefundenen Unterschiede im Gruppenklima auf die Unterschiede in den jeweiligen Strafvollzugssystemen zurückführen lassen können. Im folgenden Bericht wurden die wichtigsten Aspekte der Behandlung in Jugendstrafvollzugsanstalten in den Niederlanden mit denen in NRW verglichen und im weiteren Verlauf in Zusammenhang mit den Unterschieden in Bezug auf die erhobenen Daten gebracht und analysiert. Bei drei von vier Aspekten können die Unterschiede der Erhebungen auf Eigenschaften des Strafvollzuges zurückgeführt werden, und der Umgang mit den Gefangenen spiegelt sich in den Ergebnissen zu erfahrener Unterstützung, Wachstum und Atmosphäre wider.

Schlüsselwörter: Gruppenklima, Behandlungsmöglichkeiten, Jugendstrafvollzug, Niederlande, Deutschland

S. 68-77

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Mitteilungen

New Directions in Critical Criminology Conference
May, 6-7, 2016, University of Tennessie, Knoxville

Terrorismus und Radikalisierung
10. Wiener Frühjahrstagung für Forensische Psychiatrie, 20. Mai 2016 in Wien/Österreich

Fortschritt braucht (Frei-)Räume
16. Forum für Täter-Opfer-Ausgleich, 1.-3. Juni 2016 in Bad Kissingen

Prävention und Freiheit. Zur Notwendigkeit eines Ethik-Diskurses
21. Deutscher Präventionstag, 6.-7. Juni 2016 in Magdeburg 17-18 December, 2015 in Luxembourg City/Luxembourg

Recognizing Knowledge to Reduce Crime and Injustice
Stockholm Criminology Symposium Conference, June, 14-16, 2016 in Stockholm/Sweden

S. 475

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Reviewer 2015

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei folgenden Damen und Herren, die sich während des Kalenderjahres 2015 freundlicherweise im Rahmen des Peer Review Verfahrens der Monatsschrift für Kriminologie zur Begutachtung der eingereichten Manuskripte zur Verfügung gestellt haben:

Dr. Dirk Baier, Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Prof. Dr. Britta Bannenberg, Universität Giessen
Jan Christoph Bublitz, Universität Hamburg
Prof. Dr. Axel Dessecker, Kriminologische Zentralstelle, Wiesbaden
Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, Freie Universität Berlin
Bernd Geng, M.A., Universität Greifswald
Prof. Dr. Rita Haverkamp, Universität Tübingen
Prof. Dr. Roland Hefendehl, Universität Freiburg
Prof. Dr. Dieter Hermann, Universität Heidelberg
Akad. Rätin Dr. Kristina Kanz, Universität Münster
Professor Susanne Karstedt, Griffith University, Australia
Prof. Dr. Jörg Kinzig, Universität Tübingen
Prof. Dr. Ralf Kölbel, Universität München
Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber, Charité Berlin
Prof. Dr. Helmut Kury, ehem. Max-Planck-Institut für Strafrecht, Freiburg i.Br.
Prof. Dr. Franziska Lamott, Berlin
Prof. Dr. Helmut Lukesch, Universität Regensburg
Dr. Eduard Matt, Universität Bremen
Prof. Dr. Bernd-Dieter Meier, Universität Hannover
Prof. Dr. Frank Neubacher, Universität Köln
Prof. Dr. Norbert Nedopil, Universität München
Dr. Joachim Obergfell-Fuchs, Kriminologischer Dienst Baden-Württemberg, Stuttgart
Prof. Dr. Karl-Heinz Reuband, Universität Düsseldorf
Prof. Dr. Renate Schepker, ZfP Süd-Württemberg
Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Freie Universität Berlin
Peter Sutterer, Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern
Dipl.-Soz. Gerhard Spieß, Universität Konstanz
Prof. Dr. Heinz Schöch, Universität München
Prof. Dr. Franz Streng, Universität Erlangen
Prof. Dr. Renate Volbert, Charité Berlin
Prof. Dr. Gunda Wößner, Hochschule für Polizei, Baden-Württemberg

S. 78-79

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Buchbesprechungen

 

MacKenzie, Rachel D./McEwan, Troy E./Pathé, Michelle T./James, David V./Ogloff, James R.P./Mullen, Paul E.
Stalking: Ein Leitfaden zur Risikobewertung von Stalkern – das »Stalking Risk Profile«
Deutsche Übersetzung und Einführung in die für Deutschland spezifischen Aspekte von H. Dreßing, M. Bumb, K. Whittaker
Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2015, 202 Seiten

von Ruth Saueracker, München

S. 80

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Maelicke, Bernd
Das Knast-Dilemma
Wegsperren oder resozialisieren? Eine Streitschrift
Bertelsmann, München 2015, 256 Seiten

von Helmut Kury, Freiburg im Breisgau

S. 81-84

 

Herausgeber

Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg

Prof. Dr. iur. Stephan Quensel, Bremen

Schriftleitung:
Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Redaktion

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Dipl.-Psych. Ulrike Auerbach

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
Günterstalstr. 73
79100 Freiburg i.Br.

Telefon: +49 (0) 761-7081-0

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