101. Jahrgang Heft 1 (Februar) 2018

Information der Redaktion:
Die kommenden Hefte des Jahrgangs 2018, das sind Nr. 2 (Themenheft "Migration und Radikalisierung) und Nr. 3/4 (Schwerpunktheft "Rational Choice Theory) sind in Bearbeitung und werden demnächst in kurzen Abständen hintereinander erscheinen.

Inhalt

Artikel

Der Freispruch im Strafverfahren
Ein Forschungsbericht

von Wolfgang Stelly, Jürgen Thomas, Maximilian Haffner, Bernadette Schaffer und Jörg Kinzig

Zusammenfassung
Vorgestellt werden in dem Beitrag die zentralen Ergebnisse eines DFG-geförderten Forschungsprojekts zum Freispruch im Strafverfahren im Allgemeinen und zum Freispruch nach vorangegangener Untersuchungshaft im Speziellen. Das methodische Vorgehen umfasste drei Teile: 1. eine Analyse der bundesweiten Strafverfolgungsstatistik im Quer- und Längsschnitt, 2. eine Aktenanalyse von 296 Freispruchverfahren nach Untersuchungshaft und 3. Interviews mit 28 Expertinnen und Experten der Strafgerichte, der Staatsanwaltschaften und der Strafverteidigung. Der Schwerpunkt lag auf explorativen und deskriptiven Analysen, es ging aber auch um Ursachenforschung und die Identifikation möglicher strafprozessualer Fehlerquellen. Wenngleich unsere Analysen insgesamt wenig Belege für formale Fehler und Irrtümer der Ermittlungsbehörden und Gerichte liefern, so lenken sie doch den Blick auf mögliche Schwachpunkte in der Strafrechtspraxis – insbesondere auf die Praxis der Anordnung der Untersuchungshaft auch im Hinblick auf die damit verbundene soziale Selektion der Beschuldigten einerseits und auf den Umgang mit schwachen, meist auf Aussagen beruhenden Beweislagen andererseits. Die untersuchten Freispruchfälle zeigen diesbezüglich, wie fragil, veränderbar und interpretationsabhängig die justizielle Rekonstruktion von Wirklichkeit sein kann.

Schlüsselwörter: Freispruch, Fehlurteile, Untersuchungshaft, Strafprozessrecht, Aktenanalyse

S. 1-15

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Angekommen und zugehörig?
Migration, Integration und Jugenddelinquenz

von Christian Walburg

Zusammenfassung
Seit rund vier Jahrzehnten wird hierzulande über besondere Delinquenzrisiken bei jungen Migranten(-nachkommen) diskutiert. Erhöhte Gewalt- und Mehrfachtäteranteile gelten dabei als Ausdruck und Folge von Integrationsproblemen. Dieser Beitrag stellt wesentliche Befunde zu Zusammenhängen zwischen Migration, Integration und Jugenddelinquenz aus wiederholten Befragungen bei Jugendlichen in Duisburg vor. Die vor dem Hintergrund bisheriger Ergebnisse zum Teil etwas unerwarteten Befunde einer nicht wesentlich erhöhten Delinquenzbeteiligung von Migrantennachkommen werden unter Bezugnahme auf die Bildungsteilhabe und zentrale Aspekte der soziokulturellen Integration eingeordnet. Es zeigt sich, dass die insbesondere von türkeistämmigen Jugendlichen recht stark aufrechterhaltenen sozialen und identifikativen Herkunftsbezüge und tradi-tionellen sowie religiösen Wertorientierungen jedenfalls in diesem spezifischen städtischen Kontext kriminologisch eher nicht von zentraler Bedeutung sind.

Schlüsselwörter: Migration, Jugenddelinquenz, Integration, Soziale Wertorientierungen

S. 16-45

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Opfer gleich Täter? Junge Menschen in Deutschland und Erfahrungen körperlicher Gewalt
Ergebnisse der DJI-Studie »Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten II«

von Diana Willems und Eric van Santen

Zusammenfassung
Auf der Basis aktueller empirischer Daten aus einer deutschlandweiten Befragung des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern wird das Thema Täter-Opfer-Zusammenhänge am Beispiel von Erfahrungen physischer Gewalt im Jugendalter – als Täter und/oder Opfer – beleuchtet. Grundlage bildet ein theoretisches Modell, welches Bezug auf die Situational Action Theory, den Routine Activity Approach und Konzepte der Risiko- und Schutzfaktoren nimmt und hieraus Wahrscheinlichkeiten für eine Viktimisierung und/oder eigenes delinquentes Handeln ableitet.

Schlüsselwörter: Jugenddelinquenz, Viktimisierung, Täter-Opfer-Statuswechsel, Risikofaktoren, Körperverletzung, Kriminologie

S. 46-61

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Besprechungsaufsatz

»Uneinbringliche« Geldstrafen in den USA und bei uns
– zugleich eine Besprechung von Harris, Alexes: A Pound of Flesh. Monetary Sanctions as Punishment for the Poor, New York 2016

von Stephan Quensel

S. 62-73

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Mitteilungen

Die Herausgeber bedanken sich an dieser Stelle bei folgenden Damen und Herren, die sich während des Kalenderjahres 2017 freundlicherweise im Rahmen des Peer-Review-Verfahrens der Monatsschrift für Kriminologie zur Begutachtung der eingereichten Manuskripte zur Verfügung gestellt haben:

 

Dr. Dirk Baier, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Schweiz
Prof. Dr. Britta Bannenberg, Universität Giessen
Marie Christine Bergmann, MSc, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.
Prof. Dr. Thomas Bliesener, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.
Jan Buschbom, Violence Prevention Network e.V., Berlin
Prof. Dr. Frieder Dünkel, Universität Greifswald
Prof. Dr. Thomas Feltes, M.A., Ruhr-Universität Bochum
Dominik Gerstner, M.A., Max-Planck-Institut für Strafrecht, Freiburg i.Br.
Dr. Stefan Goertz, Hochschule des Bundes, Fachbereich Polizei, Lübeck
Prof. Dr. Henriette Haas, Universität Zürich
Prof. Dr. Stefan Harrendorf, Universität Greifswald
Prof. Dr. Rita Haverkamp, Universität Tübingen
Prof. Dr. Dieter Hermann, Universität Heidelberg
Assoc.Prof. PD Dr. Helmut Hirtenlehner, Universität Linz, Österreich
Dr. Dina Hummelsheim-Doß, Max-Planck-Institut für Strafrecht, Freiburg i.Br.
Prof. Dr. Jörg-Martin Jehle, Universität Göttingen
Dr. Frank Kawelovski, M.A., Essen
Prof. Dr. Hans-Jürgen Kerner, Universität Tübingen
Prof. Dr. Jörg Kinzig, Universität Tübingen
Prof. Dr. Daniela Klimke, Polizeiakademie Niedersachsen
Dr. Dominic Kudlacek, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.
Prof. Dr. Karl-Ludwig Kunz, Universität Bern, Schweiz
Prof. Dr. Helmut Kury, ehem. Max-Planck-Institut für Strafrecht, Freiburg i.Br.
Assoc.Prof. Dr. Klaus von Lampe, John Jay College of Criminal Justice, New York, USA
Dr. Heinz Leitgöb, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Rüdiger Liebers, M.A., Köln
Prof. Dr. Karlhans Liebl, Hochschule der Sächsischen Polizei, Rothenburg/OL
Eduard Matt, Senator für Justiz und Verfassung Bremen
Prof. Dr. Bernd-Dieter Meier, Universität Hannover
Prof. Dr. Norbert Nedopil, Forensische Psychiatrie, Universität München
Prof. Peter Neumann, King’s College, London
Dr. Joachim Obergfell-Fuchs, Kriminologischer Dienst Baden-Württemberg, Stuttgart
Prof. Dr. Letizia Paoli, Universität Leuven, Belgien
Dr. Daniela Pisoiu, Österreichisches Institut für Internationale Politik, Wien, Österreich
Prof. Dr. Jost Reinecke, Universität Bielefeld
Univ.-Prof. Dr. Lyane Sautner, Universität Linz, Österreich
Univ.-Prof. Dr. Herbert Scheithauer, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Heinz Schöch, Universität München
Dr. Stefan Schulz, Namibia University of Science and Technology, South Africa
Prof. Dr. Christian Schwarzenegger, Universität Zürich, Schweiz
Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Ruhr-Universität Bochum
Dr. Michael Sommerfeld, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Berlin
Dr. Stefan Suhling, Bildungsinstitut des Niedersächsischen Justizvollzuges, Celle
Dr. Wolfgang Stelly, Universität Tübingen
Dr. Gunda Wößner, Max-Planck-Institut für Strafrecht, Freiburg i.Br.

S. 74-75

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Buchbesprechungen

Dollinger, Bernd/Schmidt-Semisch, Henning (Hrsg.)

Handbuch Jugendkriminalität
Interdisziplinäre Perspektiven

Springer VS, Wiesbaden 2018, 3. Aufl., 806 Seiten

von Helmut Kury, Freiburg i.Br.

S. 76-79

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Quensel, Stephan

Irre, Anstalt, Therapie
Der Psychiatrie-Komplex

Springer VS, Heidelberg 2018, 568 Seiten

von Helmut Remschmidt, Marburg

S. 79-81

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Herausgeber

Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg

Prof. Dr. iur. Stephan Quensel, Bremen

Schriftleitung:
Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Redaktion

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Dipl.-Psych. Ulrike Auerbach

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
Günterstalstr. 73
79100 Freiburg i.Br.

Telefon: +49 (0) 761-7081-0

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