100. Jahrgang Heft 2 (April) 2017

Inhalt

Artikel

Ist das Vertrauen in die Institution Polizei eine Folge politischer Orientierungen?

von Karsten Lauber und Kurt Mühler

Zusammenfassung
Seit einigen Jahrzehnten ereignet sich in westlichen Gesellschaften ein tiefgreifender Wertewandel. Besonders markant findet er – wie dies Inglehart bereits während eines Gastaufenthalts in den 1970er Jahren bemerkte – in der Bundesrepublik Deutschland statt. Kern dieses Wertewandels ist die Tendenz zu einer offenen, toleranten und sozialliberalen Gesellschaft. Die Polizei als Institution steht demgegenüber für eine konservative Ordnungssicherung. Gestützt auf das Gewaltmonopol des Staates setzt die Polizei Grenzen des Tolerierbaren und gerät damit nicht selten in die Kritik der Medien, aber auch sozialwissenschaftlicher Arbeiten. Dennoch: In der Bevölkerung genießt die Polizei großes Vertrauen. Es ist sogar größer als es den meisten anderen Institutionen entgegengebracht wird. Dies ist insofern bemerkenswert, als die Polizei oft gegenläufige Erwartungshaltungen inner-halb nicht unproblematischer Rahmenbedingungen zu erfüllen hat. Die Frage, die in diesem Aufsatz beantwortet werden soll, besteht darin, ob das Vertrauen der Bevölkerung aus politischen Grundüberzeugungen hervorgeht, also einem exogenen Faktor. Die mit einem multivariaten Modell geprüfte Hypothese richtet sich darauf, inwieweit ein solcher exogener Faktor ausgeschlossen werden kann und stattdessen eher endogene Faktoren zur Vertrauensbildung führen.

Schlüsselwörter: Polizei, Norm, Politik, Medien, Vertrauen

S. 87-102

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Kriminalpolitik und Sanktionspraxis in Litauen im europäischen Vergleich

von Gintautas Sakalauskas und Frieder Dünkel

Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert die Kriminalpolitik und ihre Auswirkungen auf die Gefangenenraten in Litauen. Mit der Reform des StGB und des Strafvollstreckungsgesetzbuches von 2003 gelang es zunächst, die Gefangenenraten deutlich zu senken; mit der Finanzkrise 2008 und einer repressiveren Sanktionspraxis stiegen die Gefangenenraten wieder deutlich an. Die Regierung hat seit 2013 versucht, dieser Entwicklung entgegenzusteuern, allerdings nur teilweise mit Erfolg. Der aktuelle Rückgang der Gefangenenzahlen beruht vor allem auf einem Rückgang der registrierten (schweren) Kriminalität. Litauen steht an einem entscheidenden Scheideweg seiner Entwicklung, die entweder zu einer Annäherung an die westeuropäische Sanktionspraxis führen kann oder einem Verharren in der »alten« sowjetisch geprägten Strafkultur. Der Ausgang ist trotz einiger positiver Entwicklungen in jüngster Zeit weiterhin offen.

Schlüsselwörter: Kriminalpolitik, Gefangenenraten, Strafzumessungspraxis, Litauen, europäischer Strafvollzugsvergleich

S. 103-122

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Einflussfaktoren der Sozialen Arbeit im Justizwesen auf das Übergangsmanagement

von Melanie Wegel und Holger Stroezel

Zusammenfassung
Die Soziale Arbeit im Justizwesen, insbesondere das Professionsverständnis in der Bewährungshilfe, scheint sich in den vergangenen Jahren gewandelt zu haben. Die klassischen Aufgaben des Professionellen waren traditionell, neben der Überwachung der Legalbewährung, die Hilfe bei Problemen wie Schuldenregulierung, Arbeits- und Wohnungssuche sowie die praktische Hilfe im Umgang mit Behörden. Die soziale Integration und die Rückfallfreiheit gelten über Ländergrenzen hinweg als primäre Ziele der Resozialisierung, wobei sich die Methoden der Sozialen Arbeit zunehmend verlagern. Aus Bewährungshelfern werden Casemanager und die forensische (Soziale) Arbeit nimmt stetig zu, was auf Wirksamkeitsstudien im Bereich deliktorientierter Behandlungsinter-ventionen zurückzuführen ist (Endrass et al. 2007). Es stellt sich zunehmend die Frage, welche Prioritäten sich die Soziale Arbeit im Justizwesen aktuell setzt. Tendiert diese eher in die forensische Richtung und wird verstärkt die sogenannte Deliktarbeit betrieben, oder sind die Bereiche der sozialen Integration von primärer Bedeutung, wobei die Ressourcen und Fähigkeiten der Delinquenten, die Schuldenregulierung und die Arbeitsintegration eine zentrale Rolle spielen und namentlich auf dem Desistance-Ansatz beruhen. Weiter stellt sich auch die Frage, welchen Einfluss die Arbeitsausrichtung der Professionellen im Justizwesen auf die Qualität des Übergangsmanagements vom Strafvollzug in die Bewährungshilfe hat. Diese Fragen sollen mittels Daten einer Online-Erhebung in Deutschland, der Schweiz und Österreich unter den Professionellen im Justizwesen beleuchtet werden.

Schlüsselwörter: Übergangsmanagement, Bewährungshilfe, Desistance

S. 123-133

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Forum

Ausgewählte Probleme der grenzüberschreitenden Nacheile in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit

von Maciej Małolepszy

Zusammenfassung
Die Kriminalität an der deutsch-polnischen Grenze wirft schon seit Langem Schatten auf die deutsch-polnischen Beziehungen. Zu einem der wichtigsten Instrumente der Bekämpfung der Grenzkriminalität gehört die grenzüberschreitende Nacheile, die im deutsch-polnischen Grenzgebiet jährlich ca. 50 Mal durchgeführt wird. Leider sind die Rechtsgrundlagen der grenzüberschreitenden Nacheile in beiden Ländern derzeit, insbesondere im Verhältnis zueinander, nicht optimal ausgestaltet. Das führt dazu, dass dieses Instrument in vielen eigentlich für eine Nacheile geeigneten Fällen nicht zur Anwendung kommen kann. Es ist klar, dass die Kriminellen von dieser Lage profitieren. Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit einigen ausgewählten Problemen der grenzüber-schreitenden Nacheile und stellt auch Lösungsansätze dar.

Schlüsselwörter: Grenzkriminalität, Nacheile, deutsch-polnische Zusammenarbeit, polizeiliche Zusammenarbeit, Schmuggel

S. 134-142

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Mitteilungen

Victimology in the Balkans
Fourth Annual Conference of the Max Planck Partner Group for Balkan Criminology, 21-24 September 2017 in Budapest, Hungary

Institutional Transparency, Citizen Participation and Struggle Against Corruption
II International Congress, 4-5 October 2017, Gran Canaria and Tenerife, Spain

Terrorism, Crime, Culture
An Interdisciplinary Conference, 5-6 October 2017 in Copenhagen, Denmark

Opferorientierung im Justizvollzug – Perspektiven für die Praxis
Fachtagung, 16.-17. Oktober 2017 in Göttingen

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Aggression Gewalt Exzess gegen die anderen
Fachtagung, 16.-17. Oktober 2017 in Erfurt

Medien – Kriminalität – Kriminalpolitik
Fachtagung der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden e.V, 19.-20. Oktober 2017 in Wiesbaden

Zum gesellschaftlichen Umgang mit Gefährlichkeit ‒ Ist die psychiatrische Maßregel noch zeitgemäß?
Tagung, 19.-20. Oktober 2017 in Bad Boll

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Buchbesprechungen

Boers, Klaus/Krawinkel, Katrin

Intensivtäterschaft und DelinquenzabbruchFortuntersuchung mit Probanden des zügigen Strafverfahrens für Mehrfach- und Intensivtäter in Münster

S. 144-145

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Lyon, David

Surveillance after Snowden
Polity Press, Cambridge 2015, 182 Seiten

und

Fidler, David P.

The Snowden Reader
Indiana University Press, Bloomington 2015, 349 Seiten

von Nils Zurawski, Hamburg

S. 145-146

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Herausgeber

Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg

Prof. Dr. iur. Stephan Quensel, Bremen

Schriftleitung:
Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

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Dipl.-Psych. Ulrike Auerbach

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
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