99. Jahrgang Heft 3 (Juni) 2016

Inhalt

Artikel

Einflussfaktoren des politischen Extremismus im Jugendalter
Rechtsextremismus, Linksextremismus und islamischer Extremismus im Vergleich

von Dirk Baier, Patrik Manzoni und Marie Christine Bergmann

Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden Einflussfaktoren von drei Formen des politischen Extremismus untersucht. Die Einflussfaktoren werden aus der Desintegrations-, Bindungs- und Selbstkontrolltheorie abgeleitet. Die Prüfung erfolgt anhand einer umfangreichen Befragung von Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe, die im Jahr 2013 in Niedersachsen durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass ein kleiner Teil der Jugendlichen extreme Einstellungen befürwortet bzw. extremes Verhalten ausführt. Extremismusübergreifend erweisen sich »institutionelle Desintegration« in Form einer als negativ wahrgenommenen Behandlung durch die Polizei, »belief» in Form der eigenen Gesetzestreue und »Risikosuche« als eine Dimension der niedrigen Selbstkontrolle als wichtige Einflussfaktoren. Mit Blick auf den islamischen Extremismus, der aufgrund der Datenlage als Deutschenfeindlichkeit operationalisiert wird, werden zusätzlich spezifische Einflussfaktoren identifiziert (strukturelle Desintegration, Vereinszugehörigkeit und schulische Erfahrungen).

Schlüsselwörter: Extremismus, Desintegration, Bindung, Selbstkontrolle, Jugendliche

S. 171-198

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Rurale Kriminalität in Entwicklungsländern

von Frank Neubacher und Ulrike Grote

Zusammenfassung
Über Kriminalität in Entwicklungsländern weiß die Kriminologie sehr wenig; insbesondere was den ländlichen Raum betrifft. Ausgehend von der Studie von Clinard & Abbott von 1973 gibt der Beitrag einen Überblick über den gegenwärtigen Wissensstand und die offenen Fragen. Eingehend erörtert werden u.a. die Unzuverlässigkeit offizieller Statistiken, Befunde des International Crime Victims Survey sowie theoretische Zusammenhänge zwischen Kriminalität und Entwicklung. Außerdem werden die potenziellen Konturen künftiger Forschung aufgezeichnet.

Schlüsselwörter: Entwicklungsländer, ländlicher Raum, farm crime, wildlife crime, Entwicklungsforschung, crime victims surveys, Modernisierungstheorie, Tatgelegenheiten

S. 199-214

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Legalbewährung von Frauen
Befunde einer Untersuchung im niedersächsischen Frauenvollzug

von Susann Prätor und Stefan Suhling

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag widmet sich der in Deutschland bislang wenig erforschten Frage nach dem Ausmaß der Legalbewährung ehemals inhaftierter Frauen und den Bedingungs- und Risikofaktoren der Rückfälligkeit. Hierzu werden Daten von allen im Jahr 2004 inhaftierten Frauen in Niedersachsen herangezogen, für die Justizvollzugsbedienstete sowohl zum Beginn als auch zum Ende der Inhaftierung Informationen zur Lebenssituation und zum Vollzugsverlauf erhoben haben (N = 294). Ergänzend wurden Daten des Bundeszentralregisters verwendet, um Aussagen zur Häufigkeit und Geschwindigkeit des Rückfalls ehemals inhaftierter Frauen sowie zu Risikofaktoren der Rückfälligkeit treffen zu können.

Schlüsselwörter: Rückfälligkeit, Legalbewährung, Frauenvollzug, Risikofaktoren

S. 215-236

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FORUM

Dunkelfeld und Anzeigeverhalten bei Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Ergebnisse einer Untersuchung zur Erforschung von Anzeigemotivation und Anzeigeverhalten bei sexueller Nötigung und Vergewaltigung

von Sarah Seifarth und Heike Ludwig

Zusammenfassung
Hinsichtlich von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist die Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik deutlich eingeschränkt, da ein hohes Dunkelfeld besteht. Deshalb wurde mithilfe einer quantitativen Online-Befragung aller Studierenden der Fachhochschule Erfurt (N = 3.769) eine empirische Dunkelfelduntersuchung im Kriminalitätsbereich der Sexualdelikte vorgenommen. Wesentliche Zielsetzung war es, Aussagen über Häufigkeit und Erscheinungsformen der sexuellen Viktimisierung sowie Gründe für oder gegen eine Anzeige von sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu gewinnen. Da keines der Opfer eine Anzeige erstattete, liegen alle sexualstrafrechtlich relevanten Delikte (8,7 %, n = 46) im Dunkelfeld. Obwohl die Gründe gegen eine Anzeige vielfältig und individuell sind, konnten mittels Faktorenanalyse drei Hauptgründe für die Nichtanzeige bei sexueller Nötigung und Vergewaltigung herausgestellt werden. Dies sind die Angst vor sekundärer Viktimisierung, strafverfahrensbezogene Befürchtungen und emotionale Belastung sowie mangelndes Vertrauen in das Justizsystem. Eine Anzeigepflicht durch professionelle Beratungsstellen wird aufgrund dieser Befürchtungen von Opfern sexueller Nötigung und Vergewaltigung nicht befürwortet. Weiterhin zeigte sich, dass Opfer von sexueller Nötigung und Vergewaltigung eine höhere allgemeine und deliktspezifische Kriminalitätsfurcht aufweisen als Nichtbetroffene. Vor allem bei kognitiven Komponenten der deliktspezifischen Kriminalitätsfurcht besteht ein deutlicher Zusammenhang.

Schlüsselwörter: Anzeigemotivation, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung, Kriminalitätsfurcht, Studierendenbefragung

S. 237-244

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Mitteilungen

The Many Colors of Crime and Justice
Annual Meeting 2016 of the American Society of Criminology (ASC),16-19 November 2016 in New Orleans, LA/USA

Horizon Criminology
29th Annual Australian and New Zealand Society of Criminology Conference, 29 November - 2 December 2016 in Hobart, Tasmania/Australia

Confronting Violent Pasts and Historical (In)Justice
Sixth Annual Conference of the Historical Dialogues, Justice and Memory Network, 1-3 December 2016 in Amsterdam, The Netherlands

Annual conference of the European Society for Social Drug Research (ESSD)
18. World Congress of Criminology, 15-19 December 2016 in New Delhi, India

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Buchbesprechungen

Bucerius, Sandra

Unwanted. Muslim Immigrants, Dignity, and Drug Dealing
Oxford University Press 2014, XIII, 255 Seiten

von Stephan Quensel, Grönwohld

S. 246-247

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Hunold Daniela

Polizei im Revier
Polizeiliche Handlungspraxis gegenüber Jugendlichen in der multiethnischen Stadt
Duncker & Humblot, Berlin 2015, 288 Seiten

von Andreas Ruch, Bochum

S. 247-249

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Quent, Matthias

Rassismus, Radikalisierung, Rechtsterrorismus
Wie der NSU entstand und was er über die Gesellschaft verrät
Beltz Juventa 2016, 374 Seiten

von Henning Ernst Müller, Regensburg

S. 249-250

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Herausgeber

Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg

Prof. Dr. iur. Stephan Quensel, Bremen

Schriftleitung:
Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Redaktion

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Dipl.-Psych. Ulrike Auerbach

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
Günterstalstr. 73
79100 Freiburg i.Br.

Telefon: +49 (0) 761-7081-0

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