100. Jahrgang Heft 3 (Juni) 2017

Inhalt

Artikel

Korrekturen in polizeilichen Vernehmungsprotokollen: Ein Risiko für die Verteidigung

von Franziska Hohl Zürcher, Nadja Capus und Mirjam Stoll

Zusammenfassung
In polizeilichen Vernehmungen hat die beschuldigte Person das Recht, das Protokoll vor der Genehmigung durchzulesen und auf seine Richtigkeit zu überprüfen. Allerdings bestehen unter Verteidigern Befürchtungen, dass handschriftliche Änderungen, die die beschuldigte Person bei der Durchsicht am Protokoll vornimmt, im weiteren Verlauf des Strafverfahrens zu ihrem Nachteil ausgelegt werden. In einem Experiment mit 199 Schweizer Strafrichterinnen und Strafrichtern untersuchen wir am Fall eines nicht geständigen Beschuldigten, ob diese Befürchtungen empirisch begründet sind. Die Ergebnisse sind ambivalent. Sie zeigen keinen Effekt von handschriftlichen Änderungen auf die Bindung der beschuldigten Person an ihre Aussage sowie auf die Glaubhaftigkeit. Hingegen bestehen Hinweise darauf, dass solche Änderungen die richterliche Schuldeinschätzung erhöhen.

Schlüsselwörter: Vernehmungsprotokolle, Beweismittel, Protokollberichtigung, Aussageinkonsistenz, Glaubhaftigkeit, Schuld, Strafverfahren, Polizei, Urteilsfindung

S. 147-160

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Der Einfluss der Medienberichterstattung auf die Reform des Sexualstrafrechts

Eine Analyse der Diskursstrategien digitaler Medien

von Elisa Hoven

Zusammenfassung
Im November 2016 hat der Gesetzgeber das Sexualstrafrecht grundlegend reformiert. Der Neuregelung vorangegangen war eine intensive Medienkampagne für die Einführung des sogenannten »Nein heißt Nein«-Modells. Die Ereignisse der Kölner Silvesternacht sowie der Fall Gina-Lisa Lohfink wurden zum Anlass für Forderungen nach einer »Schließung von Schutzlücken« durch eine deutliche Verschärfung des geltenden Strafrechts genommen. Der Beitrag stellt die Ergebnisse einer Analyse der Medienberichterstattung im Vorfeld der Gesetzesreform vor. Es wird untersucht, welche Haltung die Medien in der öffentlichen Diskussion eingenommen und welche Diskursstrategien sie zur Vermittlung ihrer Positionen eingesetzt haben.

Schlüsselwörter: Medien, Sexualstrafrecht, Reform, Diskursstrategien, öffentliche Meinung

S. 161-178                                     

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Ambulante Maßnahmen zur Rückfallprävention bei Sexualtätern

Ein Überblick über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit aus Deutschland

von Benjamin Pniewski

Zusammenfassung
Die ambulante Behandlung von Sexualtätern erscheint sowohl aus praktischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht als sinnvolle Möglichkeit, um Rückfälle zu verhindern. Bisher existieren allerdings kaum Evaluationsstudien zu Maßnahmen, die in Deutschland durchgeführt werden. Zudem ist die Belastbarkeit bisheriger Erkenntnisse aufgrund methodischer Defizite der Studien eingeschränkt. Die vorliegende Übersichtsarbeit untersucht Evaluationsstudien aus Deutschland, in denen Angaben zur Legalbewährung der Maßnahmeteilnehmer vorlagen. Neben Rückfallraten wurden methodische Aspekte der Studien untersucht. Die generelle methodische Qualität wurde anhand der Kriterien der Maryland Scientific Methods Scale (MSMS) bewertet. Insgesamt konnten 10 Studien identifiziert werden, die 10 verschiedene Maßnahmen zum Gegenstand hatten. Es wurden insgesamt 1.246 Probanden untersucht, von denen 8,0 % einschlägig rückfällig wurden. Die allgemeine Rückfälligkeit lag bei 21,6 % (von insgesamt n = 903). Nur eine Studie erreichte Level 4 der MSMS. Alle anderen Studien entsprachen Level 1 oder 2. Die ermittelten Rückfallraten sind im Vergleich zu nationalen und internationalen Übersichtsarbeiten zwar relativ gering, allerdings sind die Ergebnisse aufgrund der methodischen Schwierigkeiten wenig belastbar. Ein kriminalpräventiver Wirksamkeitsnachweis ist anhand der bisherigen Primärstudien also nicht möglich. Methodisch fundierte Studien im Bereich Sexualtäterbehandlung sind also dringend notwendig.

Schlüsselwörter: Sexualtäter, Rückfallprävention, ambulante Behandlung, Wirksamkeit, Maryland Scientific Methods Scale

S. 179-206

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Bericht

Juvenile Offenders in Russia: Research at a Detention Center

von Oksana Kaplun

S. 207-217

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Mitteilungen

Problem- und Risikogruppen in Staat und Gesellschaft
Jahrestagung der DGS-Sektion Soziale Probleme und soziale Kontrolle, 23. bis 24. November 2017 in Paderborn

Vom „hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit“ – Genese, Korrektur und Prävention von Fehlurteilen im Strafprozess
6. Bielefelder Verfahrenstage, 23. bis 24. November 2017 in Bielefeld

Stalking und Häusliche Gewalt – 10 Jahre Stalkinggesetz, Bilanz und Ausblick
Interdisziplinäre Fachtagung, 29. November 2017 in Freiburg i.Br.

Überregionale Fachtagung des Arbeitskreises Sozialtherapeutischer Anstalten im Justizvollzug e.V.
4. bis 6. Dezember 2017 in Nürnberg

Legitimation durch Verfahren. Rezeption, Kritik und Anschlüsse
Tagung, 15. bis 16. Februar 2018 in Luzern, hier: Call for Papers

S. 218

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Buchbesprechungen

Quensel, Stephan

Ketzer, Kreuzzüge, Inquisition
Die Vernichtung der Katharer
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2017, 246 Seiten

und

Quensel, Stephan

Hexen, Satan, Inquisition
Die Erfindung des Hexen-Problems
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2017, 397 Seiten

von Manfred Kappeler, Berlin

S. 219-223

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Bindel-Kögel, Gabriele/Karliczek, Kari-Maria/Stangl, Wolfgang

Bewältigung von Gewalterlebnissen durch außergerichtliche Schlichtung. Täter-Opfer-Ausgleich und Tatausgleich als opferstützende Instrumente

Beltz Juventa, Weinheim, Basel 2016, 164 Seiten

von Helmut Kury, Freiburg im Breisgau

S. 223-226

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Herausgeber

Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg

Prof. Dr. iur. Stephan Quensel, Bremen

Schriftleitung:
Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Hans-Jörg Albrecht, Freiburg i. Br.

Redaktion

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Dipl.-Psych. Ulrike Auerbach

Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht
Günterstalstr. 73
79100 Freiburg i.Br.

Telefon: +49 (0) 761-7081-0

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